Unter Underground bezeichnen die Einheimischen die eigentlichen Parterre-Ebenen der Häuser in diesem Viertel, welche jedoch mittlerweile unter den Boden gewandert sind. Und dies ging so:
Die ersten Siedler hatten ihre Häuser im flachen Bereich der Gegend errichtet. Schnell hat man aber herausgefunden, dass dieser Bereich sehr schlammig war und zwei Mal pro Tag von der Flut unter Wasser gesetzt wurde. Gemäss dem Seattler Motto „If you have a stupid idea, stick with it!“ wurde nichts dagegen unternommen und je mehr Siedler die Stadt erweiterten, umso mehr Probleme gab es mit Abwasser und verschlammten Strassen.
Um die Jahrhundertwende (1900) kam somit ein Feuer, welches beinahe die gesamte Stadt zerstörte, da so nochmals von vorne begonnen werden konnte. Entgegen den Plänen der Stadtverantwortlichen, die Umgebung um den Pioneer District zuerst mit massenhaft Erde aufzufüllen, begannen die Grundstückbesitzer gleich wieder zu bauen. Immerhin wurden diesmal sämtliche Häuser statt mit Holz mit Steinen oder Backsteinen gebaut. Um dem Problem der Überflutung der Strassen doch noch Herr zu werden, verlangte die Stadt von den Bauherren, dass sie um ihre Gebäude (Blocks) herum im Abstand einer Trottoir-Breite jeweils eine Mauer von der Höhe eines Stockwerkes errichteten. Die Freiräume zwischen diesen Strassen wurden anschliessend mit herangekarrter Erde aufgefüllt und so angehoben. Folglich musste man mit Leitern von den Strassen in die Häuser hinabsteigen und die Gräben um die jeweiligen Häuser waren auch nicht miteinander verbunden. Auch nicht wirklich das Gelbe vom Ei.
Nach wenigen Jahren wurden die Gräben mit einem Zwischenboden überdeckt und so wurde das vorherige Parterre zum Keller (Underground) und der vorherige erste Stock zum Parterre. Bald wurde der Underground gar nicht mehr verwendet und für über 50 Jahre dem Schicksal überlassen. Erst danach wurden diese Räumlichkeiten von einem Historiker wieder erkundet und schliesslich den Interessierten zugänglich gemacht. Jedenfalls ein Teil davon.
Für uns war es jedenfalls ein unterhaltsamer und interessanter Blick in die Vergangenheit.
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