Nicht zum ersten Mal finden die zweifelhaften neuseeländischen Wetterprognosen den Weg in unseren Blog. Von gutem, bzw. stabilem Wetter hängt nämlich die Machbarkeit des
Tongariro Alpine Crossings ab. Da die Prognosen für heute ziemlich gut ausgesehen haben, sind wir gestern nochmals zurück nach Turangi gefahren und haben das Shuttle gebucht, welches zum Startpunkt der Wanderung fährt. D. h. das Shuttle habe nur ich gebucht, da sich Döri von Ausführungen zur Wanderung im Reiseführer hat beunruhigen lassen und sich dies momentan nicht zutraut. Gerade in den Bergen ist es ja bekanntlich besser, wenn man auf seine innere Stimme hört und einen gesunden Respekt wart.
Nach einer kurzen Vorbereitung der Verpflegung und der Ausrüstung am Vorabend fängt der Tag für mich früh morgens an. Kurz vor fünf holt mich der Wecker aus dem Schlaf und nach einem kurzen Frühstück besteigen vier weitere aus dem Hostel und ich den Bus in Richtung Nationalpark. Wir haben den Early-Bird-Service gebucht, um vor den grossen Massen den Track in Angriff zu nehmen. Dies zahlt sich auch aus und kurz nach halb Sieben können wir als erste des Tages die Wanderung in Angriff nehmen. Soweit sieht übrigens auch das Wetter hervorragend aus: blauer Himmel, erste Sonnenstrahlen an den weissen Hängen des Mt. Ruapehu und nur entfernt ein paar Wolken.

Der erste Teil des Tracks führt durch ein breites, durch Gletscher geformtes Tal und nach kurzer Zeit besteht bereits eine Lücke zwischen mir und meinen Mitstreitern, so dass ich die Ruhe der Natur komplett geniessen kann. Nach knapp zwei Stunden Wanderzeit und einem deftigen Aufstieg erreicht der Track den Central Crater, eine grosse Ebene, und damit auch die Abzweigung zum Mt.Ngauruhoe. Dies ist ein noch aktiver Vulkan und dessen Besteigung benötigt zusätzliche 2 Stunden. An der Zeit mangelt es eigentlich nicht, da wir erst um 16:30 Uhr beim Trackende abgeholt werden, aber just zu meiner Ankunft bei der Verzweigung ziehen erste Wolken auf. Im Wissen, wie schnell das Wetter in den Bergen wechseln kann, entscheide ich mich gegen diese Zusatzschlaufe.
Nach einem weiteren Aufstieg kommt man zum Höhepunkt des Tongariro Crossings, dem Red Crater. Auch dieser Vulkan gilt als noch nicht erloschen und dementsprechend dampft es auch aus verschiedenen Stellen der Kraterwand. Eindrücklich ist vor allem aber auch die rote Farbe des Gesteins in diesem Krater. Allerdings sehe ich dies zu diesem Zeitpunkt beinahe nicht, da nun dicker Nebel aufgezogen ist. Um etwas Zeit zu Vertreiben nehme ich den zusätzlichen Pfad zum Mt. Tongariro in Angriff, welcher über eine Kante und mehrere Schneefelder auf diesen Vulkan führt. Im Gegensatz zu anderen Vulkanen ist dieser nicht auf den ersten Blick als solcher zu erkennen, da er nicht nur von einem Krater geformt wurde und daher keine Symmetrie aufweist.

Vom Mt. Tongariro aus habe ich eine gute Übersicht über einen grossen Teil des bisher zurückgelegten Weges und sehe nun auch, dass die bisher gehörten Geschichten von den vielen Wanderern tatsächlich war sind. Beinahe in Kolonne durchwandern die Leute den Central Crater und bei meiner Rückkehr zum Red Crater, knapp zwei Stunden später, muss ich mich auch einreihen. Zudem sehe ich, mit welcher Ausrüstung (oder eben Nicht-Ausrüstung) sich ein Teil der „Wanderer“ auf den Weg gemacht haben. Dass nicht auch noch Flip-Flops zu sehen sind ist schon fast erstaunlich.
Die restliche Wanderung besteht aus den grünen Emerald Lakes, dem Bluelake, mehreren dampfenden Hotsprings und dem Abstieg über Grassland und schlussendlich durch Wald zum Parkplatz. Mittlerweile gibt mir der Geschmack von faulen Eiern (Schwefel) beinahe schon ein vertrautes Gefühl und ich kann von den dampfenden Hängen und Bächen fast nicht genug kriegen.
Bereits kurz nach zwei Uhr nachmittags erreiche ich den Endpunkt der Wanderung und muss nun auf den Bus warten. Die Zeit vergeht aber ziemlich schnell, denn es aufgrund der eintreffenden Leuten und Busse ist ziemlich viel los. Wer zuerst startet, der darf auch zuletzt wieder nach Hause. Nach diesem Motto ist unser Shuttle das letzte, welches den Carpark verlässt und ich freue mich auf die erfrischende Dusche zu Hause.

Zurück im Hostel tausche ich mit Döri die Erfahrungen des Tages aus und sie erzählt mir von ihrem Tagesprogramm. Es soll ja Leute geben, welche sich zum Joggen zwingen müssen. Nun gibt es da gewisse Tricks, um die Joggingeinheit etwas auszudehnen. Nach dem Abrennen einer bereits bekannten Strecke hat sie anscheinend den Rückweg zum Hostel verpasst und sich umherirrend das ganze Dorf Turangi joggend angesehen. So konnte sie die Einheit auf ganze 90 Minuten ausdehnen. Entsprechend hat sie am Abend auch mehr Gliederschmerzen als ich und es zieht sie genau gleich früh ins Bett wie mich.
So ist nun also auch das Tongariro Alpine Crossing geschafft und ich muss ein gemischtes Fazit ziehen. Landschaftlich ist diese Wanderung extrem schön, aber die vielen Leute trüben das Vergnügen halt doch ein wenig. Nun weiss ich auch, wie das Crossing zum Titel „beliebteste Tageswanderung Neuseelands“ gekommen ist.
Hier noch ein paar statistische Daten aus dem GPS:
Zurückgelegte Strecke: 23.6km
Zeit unterwegs: 5h 28min
Zeit im Stand: 2h 03min
Höhe min: 757m
Höhe max: 1973m
Aufstieg total: 1214m
Abstieg total: 1640m