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Samstag, 29. November 2008

Mit Delfinen im Wasser

Nach dem Delfin-Erlebnis im Doubtfulsound hat Döri bereits vor einigen Tagen den Wunsch nach einer weiteren Delfinsuche geäussert. Da auch mich diese Tiere faszinieren, war mein Widerstand diesbezüglich ziemlich gering. Mit Paihia in der Bay of Island haben wir nun auch den Ort erreicht, welcher als Mekka für Delfinsucher bezeichnet wird. Nun müssen wir nur noch das geeignete Angebot und den Auslaufzeitpunkt aussuchen. Eigentlich eine kleine Hürde, aber die grosse Auswahl an Angeboten macht die Entscheidung auch nicht leichter. Zudem sehen auch die Wetterprognosen nicht gerade rosig aus, so dass wir die Entscheidung vor uns her schieben.

Zurecht, denn die Prognosen stimmen für einmal und es regnet den ganzen Tag nicht zu knapp. So machen wir uns einen extrem faulen Tag in unserem Hostel und gehen nur für die Verpflegungsaufnahme vor die Tür. Auch dies schadet zwischendurch nicht und wir können uns zudem um unsere Weiterreise nach Australien kümmern und sonst aufgeschobene Dinge erledigen. Zudem können wir uns tatsächlich zu einem Entscheid bezüglich dem Delfinausflug durchringen und buchen die günstigste der verfügbaren Touren. Kurz darauf bereuen wir diese Buchung bereits wieder, als wir merken, dass dies die frühste Tour des Tages ist. Sooo schlimm wird’s aber nicht werden mit dem Aufstehen.

Um halb Sieben gehen wir aus den Federn, um dann kurz vor Acht vor dem falschen Boot zu warten. Irgendwie habe ich einen der grossen Katamaranen im Kopf und steure automatisch auf diesen zu. Glücklicherweise zeigt uns jemand kurz vor der Abfahrt den Weg ins richtige Schiff und wir komplettieren die zehnköpfige Passagiergruppe. Das Wetter zeigt sich übrigens von der besten Seite und bei blauem Himmel heizt uns die Sonne schon ziemlich ein.


In einem kleineren Katamaran geht’s nun ab zwischen die Inseln der Bay of Island und schon nach wenigen Minuten erhält unser Skipper Infos zu Delfin-Sichtungen. Kurz darauf sind wir schon vor Ort und können uns die längste Zeit eine Schule von etwa 50 Tieren aus der Nähe betrachten. Liegend mit dem Kopf über dem Rand des Bootes beobachten wir, wie die Delfine mit dem Boot spielen und diesem folgen. Ein herrlicher Anblick.

Die Restriktionen für den Umgang mit Meeressäugern sind in Neuseeland ziemlich strikt und so ist vorgegeben, wie lange man sich den Tieren nähern und wann man mit ihnen schwimmen darf. Ein Kriterium sind die Jungtiere. Sobald solche zugegen sind, darf nicht ans Schwimmen gedacht werden und dies ist auch bei der aktuellen Schule der Fall. So geniessen wir die Sprünge und Spritzer vom Boot aus, erhalten von der Spezialistin Floppy viele interessante Infos vermittelt und machen uns schlussendlich auf zu einer weiteren gesichteten Gruppe.


Diese befindet sich weit in der Bay und wir können, trotz eingeschränkter Sicht im Wasser, Taucherbrille, Schnorchel, Flossen und wer will, einen Neoprenanzug fassen. Die Wassertemperatur wird mit 18.8°C angegeben, also nicht zu kalt. Auf Kommando unseres Skippers springen wir zu sechst ins Wasser und paddeln den Tieren nach. Einzeln kommen sie auf uns zu und tauchen unter uns durch. Unglaublich. Wir erhalten etwas später noch eine zweite Chance und können nochmals ein paar Delfine aus der Nähe betrachten. Erschöpft klettern wir wieder auf's Boot und werden zur Erholung in eine schöne Bucht auf einer der Inseln gebracht.


Wir haben heute ungemein viel Glück gehabt. Angefangen mit dem perfekten Wetter, dem kleineren Boot, der kleinen Gruppe, dem witzigen Skipper, der allwissenden Floppy und, was am wichtigsten ist, mit der Sichtung der vielen Delfinen. So bleibt dieser Ausflug wohl ewig in Erinnerung.

Die Interessierten können nun endlich auch das Fotoalbum von Taranaki und Taupo anschauen. Viel Spass!

Donnerstag, 27. November 2008

Endloser Strand

Für den letzten Zipfel von Neuseeland haben wir eine Bustour gebucht. Die aufgrund der doch noch beträchtlichen Distanzen, aber vor allem auch wegen der Ninety-Mile-Beach, welche wir mit unserem gemieteten Auto nicht befahren dürfen. Aber dazu später.

Wir werden um etwa Viertel vor Neun direkt vor dem traumhaft am Strand gelegenen Backpackers abgeholt und fahren zusammen mit einer gemischten Truppe von 16 Leuten in Richtung Norden. Unser Chauffeur, ein älterer Maori, entpuppt sich bald als unterhaltsamer Faktenlieferant, Geschichtenerzähler und Sänger, welcher uns die Fahrt abwechslungsreich gestaltet.

Bei einem Gum-Digger-Field, einem Ort, wo vor rund hundert Jahren nach Kauri-Harz gegraben wurde, erfahren wir in einer Führung viel Wissenswertes über diesen Berufsstamm. Etwa weshalb die Gummistiefel Gummistiefel heissen. Jup, genau wegen diesen Gum-Diggern, welche zu ihrer Arbeit die Gum-Boots getragen haben. Was man nicht alles lernt...


Kurz vor dem Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt Neuseelands, machen wir in einer schönen, aber nebligen Bucht Mittagspause. Nach wenigen Minuten reisst die Nebeldecke jedoch auf und wir können den weissen Strand doch noch bei Sonnenschein geniessen. Glück muss man haben.

Leider verlässt uns das Glück jedoch etwas beim Besuch des Cape Reinga. Nur knapp können wir in der Ferne etwas Wasser erkennen, ansonsten ist der Nebel allzu dicht. Tja, so müssen wir uns das Zusammentreffen der beiden Meere (Pazifischer Ozean und tasmanisches Meer) in unserer Fantasie betrachten.

Weiter geht die Fahrt zur Ninety-Mile-Beach, einem bei Ebbe rund 100m breiten und rund 90km langen Strand. Um dahin zu kommen, müssen wir, resp. unser Fahrer, jedoch die Strasse verlassen und ein breites Flussbett als Fahrbahn verwenden. Zudem können wir am Fusse von hohen Sanddünen einen Plastikschlitten fassen, die Sanddünen erklimmen und diese wieder hinunter düsen. Dabei zeigt Döri ihr verborgenes Gleittalent und muss beinahe noch absichtlich bremsen, um nicht im Fluss zu landen.


Die Fahrt auf der Ninety-Mile-Beach gleicht jener auf einer Autobahn. Die Fahrbahn ist hart und topfeben. Einen Unterschied gibt es jedoch: Hier hat es absolut keinen Gegenverkehr. Einzig ein paar stehende Autos sehen wir, welche die Ausfahrt vom Strand nicht rechtzeitig vor der Flut gefunden haben. So legen wir die rund 70km bis zum Verlassen des Strandes in hohem Tempo und kurzer Zeit zurück und kommen bald müde aber zufrieden wieder in unserem Hostel an.

Dienstag, 25. November 2008

Im Zeichen des Baumes

Der heutige Morgen startet zwiespältig: Zum einen empfängt uns in der Küche ein Korb gefüllt mit unserem Morgenessen (ist beim heutigen Hostel inbegriffen), was eine willkommene Abwechslung zu den übrigen Tagen bietet. Zum andern hat sich das Wetter noch nicht gebessert. Der Blick aus dem Fenster verliert sich im Grau des Regens und der Wolken.

Wir machen uns dennoch auf den Weg weiter in den Norden und erreichen bald wieder den Highway Nr. 1. Auf diesem fährt ein Lieferbus vor uns und nichts ahnend müssen wir zusehen, wie plötzlich ein länglicher Gegenstand aus dem Gefährt fliegt. Als sich dies ein zweites Mal quer über die Gegenfahrbahn wiederholt, vermuten wir ein System dahinter und sehen bald auch, dass es sich beim Lieferbus um einen Zeitungsverträger handelt. Der gute Mann schmeisst die in Plastik eingepackten Zeitungsrollen bei Tempo 90 aus dem Fenster auf die Vorplätze von Häusern. Das nenne ich mal Effizienz.

Da das Wetter grössere Aktivitäten unter freiem Himmel nicht gerade schmackhaft macht, schauen wir uns das Kauri Museum an. Dieses dreht sich voll und ganz um den hier heimischen Kauri-Baum. Es wird in interessanter Weise dargestellt, wie gross und dick ein solcher Baum werden kann (unglaublich), wie er verarbeitet werden kann und zudem, wie Wälder voller Kauribäume Ende des achtzehnten Jahrhunderts abgeholzt worden sind. Wir verbringen beinahe zwei Stunden in diesem aufwändig gemachten Museum. Im Bild, der älteste noch lebende Kauri Baum: Tane Te Mata.


Schon bald beziehen wir unser Hostel für die nächste Nacht in einem Ort namens Dargaville. Dabei handelt es sich um eine alte Primarschule, in welcher die Klassenzimmer in Schlafsääle umgewandelt worden sind. Döri fühlt sich natürlich sofort heimisch und soll unter diesem Dach dann auch entsprechend gut schlafen.

Zuvor möchten wir jedoch noch meinen Geburtstag feiern und suchen dazu ein geeignetes Lokal. Nach einer kurzen Suche stellen wir fest, dass Dargaville etwa 1.5 Restaurants (das eine ist ein Zwischending zwischen einem Cafe und einem Restaurant) beheimatet und eines davon ein tatsächlich geöffnetes indisches Lokal ist. Damit ist die Wahl schnell getroffen und wir essen mal wieder köstlich indisch. Mittlerweile hat dies ja am 24. November schon beinahe Tradition ;-)


Und schon ist es wieder vorbei mit den Sprüchen bezüglich dem Alter von Döri. So schnell geht’s halt.

Montag, 24. November 2008

Zurück an alter Wirkungsstätte

Während den letzten rund zehn Tagen in Neuseeland wollen wir uns den nördlichsten Zipfel des Landes, sinnigerweise Northland genannt, ansehen. Der Weg dorthin führt uns nochmals am Ausgangspunkt unserer Kiwi-Rundtour, Auckland, vorbei und nun nutzen wir die Zeit und die Flexibilität, um uns kurz die Orte anzuschauen, an welchen ich vor acht Jahren vor allem die Zeit verbracht haben.

So besuchen wir Takapuna, den Ort der besuchten Englischschule, und die gleich vor dem Schulgebäude liegende Beach. Wo wir jeweils unser Mittagessen eingenommen haben, sind heute primär Wind- und Skitesurfer am durchs Wasser düsen. Sie nutzen die beinahe perfekten Bedingungen, welche dazu führen, dass es uns fast den Hut vom Kopf windet.

Auf dem Weg zum nächsten Fixpunkt, dem Foodcourt, als Quelle des täglichen Mittagessens, durchqueren wir einen kunterbunten Markt. Hier kann anscheinend jeder, der so etwas wie ein Stand besitzt, etwas anbieten, was sich mehr oder weniger zum Verkaufen eignet. Neben Gemüse und Schmuck sieht man auch alte Bücher, verrostete Werkzeuge und Porzellantöpfe.

Beim Foodcourt angekommen, staune ich, dass mein Stammanbieter noch genau das selbe Angebot hat wie damals. Aus verschiedenen Salaten kann man drei zu einem Combo zusammen stellen. Zudem sind es auch noch die gleichen Salate geblieben und so kann ich der Versuchung nicht widerstehen und muss uns ein solches Combo mit Cucumber-, Waldorf- und Thuna-Pasta-Salat als Mittagessen besorgen. Unglaublich, wie sich der Geschmack mit meinen Erinnerungen deckt.

Die letzte Station unserer kurzen Takapuna-Führung ist unsere damalige Stammbeiz, das RTOTO. Danach steigen wir wieder ins Auto ein und fahren meine tägliche 40-minütige Spazierstrecke zu „meinem zu Hause“ ab. Das Haus ist tatsächlich noch da, nur wohnt leider die Familie von damals nicht mehr drin. Ich weiss, dass sie umgezogen sind, konnte aber die aktuelle Adresse nicht ausfindig machen. Irgendwie schade, aber so kann's halt gehen mit der Zeit.

Die Zeit führt uns auch noch ein paar Kilometer weiter in den Norden nach Helensville, wo wir ein schnuckeliges Backpackers beziehen und uns aufgrund des einsetzenden Regens in den überdachten Spa stürzen.

Samstag, 22. November 2008

Black Water Rafting

Waitomo ist in Neusseeland der Inbegriff für Kalksteinhöhlen und Glühwürmer. Weit über 300 Höhlen gibt es in der Gegend. Um diese herum hat sich eines der touristischen Zentren des Landes gebildet. So kommen auch wir nicht darum herum, einen Blick in die eine oder andere Höhle zu werfen.

Dank etwas Überzeugungskraft kann ich Döri von der geplanten AHV-Tour durch eine der grossen Caves abbringen und ihr eine Zusage zu einem Black Water Rafting abgewinnen.

Da nur noch bei der ersten Tour des Tages zwei Plätze frei sind, springen wir wieder mehr oder weniger früh aus den Federn und stehen um 8 Uhr beim Veranstalter auf der Matte. Eigentlich sollte die Tour um Viertel nach Acht starten, aber auch zehn Minuten nach diesem Zeitpunkt tut sich noch nichts. Als dann eine Truppe Saudis mit grossem Trari-Trara bei der Basis eintrifft, ist uns der Grund für die Verzögerung urplötzlich klar. Bereits beim Zuschauen ihrer Registrierung können wir uns ein Lächeln nicht verkneifen, denn diese Jungs gehen alles ziemlich kompliziert und wirr an, so dass auch die Dame hinter der Theke bald mal die Augen verdreht.


Zu neunt, neben den fünf Saudis nehmen noch zwei Amis teil, werden wir mit Wetsuits (brrr, ist dieses Teil kalt), Stiefel und Helmen eingekleidet und können ein weiteres Mal grölen, als es die Saudis tatsächlich schaffen, so ziemlich alles verkehrt herum anzuziehen. Für Unterhaltung ist jedenfalls gesorgt.

Nach einer kurzen Fahrt fassen wir jeweils einen aufgeblasenen Autopneu und schon geht’s zur ersten Nichtganzsotrocken-Übung. Damit wir später in der Höhle die zwei kleinen Wasserfälle auch problemlos mit einem Rückwärtssprung in den Pneu überwinden können, müssen wir dies bei einem kleinen Fluss üben. Mit oder ohne Mithilfe durch unsere beiden Guides landen alle sitzend auf den Schläuchen im Wasser. Damit haben wir auch die Kontaktaufnahme mit dem kalten Feucht hinter uns.


Nun kann's also in den Untergrund gehen. Durch einen engen Eingang steigen wir in die Höhle hinab und waten, springen und treiben fortan durch den dunklen Schlund und dessen Bach. Zwischendurch schalten wir unsere Stirnlampen aus und können so die Glühwürmchen an der Decke in aller Ruhe, mal abgesehen vom Geschnatter der Saudis, geniessen. Man hat echt das Gefühl, als sehe man die Milchstrasse in aller Klarheit direkt über sich.


Nach rund einer Stunde sehen wir dann bereits wieder Tageslicht und steigen aus der Höhle aus. Döris lachendes Gesicht zeigt mir, dass sie mir den Mitmachzwang überhaupt nicht übel nimmt. Nein, sie äussert sich echt begeistert von der Tour und auch ich hatte natürlich riesigen Spass dabei.

Zurück in der Basis entledigen wir uns schnellst möglichst der Ausrüstung und springen unter die warme Dusche. Bei einer heissen Tomatensuppe und einem Bagel können wir dann auch von innen noch etwas Wärme tanken und schon bald sind die kalten Füsse und Hände vergessen. Uns bleiben nur noch die super positiven Erinnerungen an dieses Abenteuer.

Freitag, 21. November 2008

Tongariro Alpine Crossing

Nicht zum ersten Mal finden die zweifelhaften neuseeländischen Wetterprognosen den Weg in unseren Blog. Von gutem, bzw. stabilem Wetter hängt nämlich die Machbarkeit des Tongariro Alpine Crossings ab. Da die Prognosen für heute ziemlich gut ausgesehen haben, sind wir gestern nochmals zurück nach Turangi gefahren und haben das Shuttle gebucht, welches zum Startpunkt der Wanderung fährt. D. h. das Shuttle habe nur ich gebucht, da sich Döri von Ausführungen zur Wanderung im Reiseführer hat beunruhigen lassen und sich dies momentan nicht zutraut. Gerade in den Bergen ist es ja bekanntlich besser, wenn man auf seine innere Stimme hört und einen gesunden Respekt wart.

Nach einer kurzen Vorbereitung der Verpflegung und der Ausrüstung am Vorabend fängt der Tag für mich früh morgens an. Kurz vor fünf holt mich der Wecker aus dem Schlaf und nach einem kurzen Frühstück besteigen vier weitere aus dem Hostel und ich den Bus in Richtung Nationalpark. Wir haben den Early-Bird-Service gebucht, um vor den grossen Massen den Track in Angriff zu nehmen. Dies zahlt sich auch aus und kurz nach halb Sieben können wir als erste des Tages die Wanderung in Angriff nehmen. Soweit sieht übrigens auch das Wetter hervorragend aus: blauer Himmel, erste Sonnenstrahlen an den weissen Hängen des Mt. Ruapehu und nur entfernt ein paar Wolken.


Der erste Teil des Tracks führt durch ein breites, durch Gletscher geformtes Tal und nach kurzer Zeit besteht bereits eine Lücke zwischen mir und meinen Mitstreitern, so dass ich die Ruhe der Natur komplett geniessen kann. Nach knapp zwei Stunden Wanderzeit und einem deftigen Aufstieg erreicht der Track den Central Crater, eine grosse Ebene, und damit auch die Abzweigung zum Mt.Ngauruhoe. Dies ist ein noch aktiver Vulkan und dessen Besteigung benötigt zusätzliche 2 Stunden. An der Zeit mangelt es eigentlich nicht, da wir erst um 16:30 Uhr beim Trackende abgeholt werden, aber just zu meiner Ankunft bei der Verzweigung ziehen erste Wolken auf. Im Wissen, wie schnell das Wetter in den Bergen wechseln kann, entscheide ich mich gegen diese Zusatzschlaufe.

Nach einem weiteren Aufstieg kommt man zum Höhepunkt des Tongariro Crossings, dem Red Crater. Auch dieser Vulkan gilt als noch nicht erloschen und dementsprechend dampft es auch aus verschiedenen Stellen der Kraterwand. Eindrücklich ist vor allem aber auch die rote Farbe des Gesteins in diesem Krater. Allerdings sehe ich dies zu diesem Zeitpunkt beinahe nicht, da nun dicker Nebel aufgezogen ist. Um etwas Zeit zu Vertreiben nehme ich den zusätzlichen Pfad zum Mt. Tongariro in Angriff, welcher über eine Kante und mehrere Schneefelder auf diesen Vulkan führt. Im Gegensatz zu anderen Vulkanen ist dieser nicht auf den ersten Blick als solcher zu erkennen, da er nicht nur von einem Krater geformt wurde und daher keine Symmetrie aufweist.


Vom Mt. Tongariro aus habe ich eine gute Übersicht über einen grossen Teil des bisher zurückgelegten Weges und sehe nun auch, dass die bisher gehörten Geschichten von den vielen Wanderern tatsächlich war sind. Beinahe in Kolonne durchwandern die Leute den Central Crater und bei meiner Rückkehr zum Red Crater, knapp zwei Stunden später, muss ich mich auch einreihen. Zudem sehe ich, mit welcher Ausrüstung (oder eben Nicht-Ausrüstung) sich ein Teil der „Wanderer“ auf den Weg gemacht haben. Dass nicht auch noch Flip-Flops zu sehen sind ist schon fast erstaunlich.

Die restliche Wanderung besteht aus den grünen Emerald Lakes, dem Bluelake, mehreren dampfenden Hotsprings und dem Abstieg über Grassland und schlussendlich durch Wald zum Parkplatz. Mittlerweile gibt mir der Geschmack von faulen Eiern (Schwefel) beinahe schon ein vertrautes Gefühl und ich kann von den dampfenden Hängen und Bächen fast nicht genug kriegen.

Bereits kurz nach zwei Uhr nachmittags erreiche ich den Endpunkt der Wanderung und muss nun auf den Bus warten. Die Zeit vergeht aber ziemlich schnell, denn es aufgrund der eintreffenden Leuten und Busse ist ziemlich viel los. Wer zuerst startet, der darf auch zuletzt wieder nach Hause. Nach diesem Motto ist unser Shuttle das letzte, welches den Carpark verlässt und ich freue mich auf die erfrischende Dusche zu Hause.


Zurück im Hostel tausche ich mit Döri die Erfahrungen des Tages aus und sie erzählt mir von ihrem Tagesprogramm. Es soll ja Leute geben, welche sich zum Joggen zwingen müssen. Nun gibt es da gewisse Tricks, um die Joggingeinheit etwas auszudehnen. Nach dem Abrennen einer bereits bekannten Strecke hat sie anscheinend den Rückweg zum Hostel verpasst und sich umherirrend das ganze Dorf Turangi joggend angesehen. So konnte sie die Einheit auf ganze 90 Minuten ausdehnen. Entsprechend hat sie am Abend auch mehr Gliederschmerzen als ich und es zieht sie genau gleich früh ins Bett wie mich.

So ist nun also auch das Tongariro Alpine Crossing geschafft und ich muss ein gemischtes Fazit ziehen. Landschaftlich ist diese Wanderung extrem schön, aber die vielen Leute trüben das Vergnügen halt doch ein wenig. Nun weiss ich auch, wie das Crossing zum Titel „beliebteste Tageswanderung Neuseelands“ gekommen ist.

Hier noch ein paar statistische Daten aus dem GPS:

Zurückgelegte Strecke: 23.6km
Zeit unterwegs: 5h 28min
Zeit im Stand: 2h 03min
Höhe min: 757m
Höhe max: 1973m
Aufstieg total: 1214m
Abstieg total: 1640m

Dienstag, 18. November 2008

Entlang des Waikato Rivers

Wenn man den Wetterprognosen Glauben schenkt, so soll der heutige Morgen trocken bleiben, aber der Nachmittag wieder verregnet sein. Entsprechend planen wir unsere Taupo-Erkundung und machen uns einigermassen früh mit der Regenausrüstung im Rucksack zu Fuss auf zu den Huka Falls.

Der Weg führt uns zuerst am einmalig schönen (ein Ausleger bringt die Springer in einem Flussbogen horizontal 20m und vertikal 50m über das Wasser) Taupo Bungy Jump Gelände vorbei. Wir schauen kurz den Waghalsigen zu. Hier habe ich mich vor ein paar Jahren ebenfalls in die Tiefe gestürzt. Heute fällt mir aber das Kosten/Nutzen Verhältnis etwas zu einseitig aus und so werde ich wohl auf dieser Reise auf einen solchen Sprung verzichten. Aber man soll ja bekanntlich nie nie sagen.

Weiter geht’s entlang des idyllischen Waikato Rivers vorbei an einem Bächlein mit natürlich heissem Wasser zu den Huka Falls. Der Waikato River ist der Ausfluss des Lake Taupo, des grössten Süsswassersees der südlichen Hemisphäre (habe ich irgendwo gelesen) und führt auch dementsprechend Wasser. Bei den Huka Falls wird das Wasser durch einen Felskanal gedrückt, beschleunigt und schiesst anschliessend über einen Felsvorsprung ein paar Meter in die Tiefe. Mit entsprechender Sonneneinstrahlung schimmert das Wasser in diversen Blau- und Grüntönen. Herrlich, dieses Schauspiel.


Wir wandern die gleiche Strecke zurück und erreichen nach rund drei Stunden wieder unser Backpackers, wo wir aber nur kurz ins Auto hüpfen und zum nächsten Programmpunkt düsen. Ein paar Kilometer unterhalb der Huka Falls wurde der Waikator River gestaut und das Wasser unterirdisch zu einem Elektrizitätswerk geleitet. Damit wurde auch der natürliche Lauf des Wassers durch die Aratiatia Stromschnellen trocken gelegt. Heute werden aber, hauptsächlich als Touristenattraktion, die Stromschnellen viermal täglich geflutet und wir möchten uns dies nicht entgehen lassen. Genügend früh treffen wir bei den Stromschnellen ein und können den ganzen Prozess der Flutung mitverfolgen. Unglaublich, welche Wassermassen da die Felsen hinunter stürzen.

Auf dem Rückweg nach Taupo machen wir einen Abstecher auf ein Gelände welches „Craters of the Moon“ genannt wird. Durch unterirdische geothermale Aktivitäten sind Krater und dampfende Löcher entstanden, welche die Gegend in eine unwirkliche Landschaft verwandeln. Wir wandern auf einem Rundweg rund eine Stunde durch die dampfende Gegend, bis uns der Magen knurrt. Schliesslich haben wir seit dem Frühstück nichts mehr gegessen und es ist bereits 3 Uhr. Höchste Zeit für einen Imbiss. Als Ausnahme und Belohnung für die körperlichen Leistungen des Tages gönnen wir uns ein leckeres Zmittag-Zvieri-Znacht in einem Restaurant mit Ausblick auf den Lake Taupo.